Tageinwärts

In der Morgendämmerung mit einer Tasse heißem Kaffee auf der Bank an der Haustür sitzen. Die kühle, schon herbstliche anmutende Luft genießen. Tief einatmen. Langsam ausatmen. In den Garten blicken. Dem Vogelgezwitscher und den fernen Geräuschen der noch halb schlafenden Stadt lauschen. Der Geborgenheit nachspüren, die man beim Aufwachen empfand, alleine, doch nicht einsam im warmen, gemütlichen Bett. Der Mischung aus Vorfreude und Angst nachspüren, die sich in Anbetracht des kommenden Tages in Brust und Bauch ausbreitet. Grübeln. Sich dabei ertappen und versuchen, die Gedanken aus der Grübelschleife heraus in eine andere Richtung zu lenken. Wissen, wie es war, als man mal fast alles verloren hatte. Denken, fühlen, erleben, wie gut man es jetzt hat, an diesem Morgen, in diesem Moment.

Kopfkatastrophen

Samstagmorgen. Nach einer albtraumlastigen Nacht tapere ich schlaftrunken in die Küche, reibe mir die noch halb geschlossenen Augen, zwirbele gedankenverloren eine Haarsträhne, schaue aus dem Fenster auf die Dächer der langsam erwachenden Stadt, blicke unschlüssig in den Kühlschrank, verschiebe das Frühstück auf später und mache mir erstmal nur einen Kaffee.
Schließlich, die Tasse in der einen Hand, das Handy in der anderen, überprüfe ich meine Nachrichten. Sehe zwei Sprachnachrichten von Danju, bemerke amüsiert den Purzelbaum, den mein Herz auch nach beinahe einem Jahr noch beim Anblick seines Namens schlägt und lasse meine Seele vom Klang seiner tiefen, freundlichen Stimme streicheln, bis auch der letzte Rest der nächtlichen Angst verschwunden ist.
Es waren nur Träume, denke ich, eigentlich ist gar nichts passiert.
Aus der Ruhe, die meinen Körper bei diesem Gedanken durchströmt, taucht plötzlich ein Wunsch auf.
Schreiben! Es wäre schön, wieder zu schreiben. Aber worüber? Vielleicht, so wie früher, über die mehr oder weniger ausgeprägten Katastrophenszenarien meines seit jeher eher eigenwillig verlaufenden Lebens? Nee, die Katastrophen finden nur noch in deinem Kopf statt, sage ich laut zu mir und muss grinsen in Anbetracht dieses morgendlich verschrobenen Selbstgesprächs. Schreiben. Worüber also dann? Über was kann man schreiben, wenn nur noch Kopfkatastrophen da sind? Über all das Wunderbartraurigschrecklichschöne, das jetzt endlich in meinem Leben Platz hat, denke ich, trinke den Kaffee aus und beginne mit dem ersten Satz dieses Textes.